Überlegungen, Stand Juni 2008: Nach den noch immer lebendigen Erlebnissen von 2002/2003 wollen wir erneut eine Reise unternehmen, diesmal auf der traditionellen „Westroute“, durch Marokko und Mauretanien. Da Ute nicht mehr berufstätig ist, kommt ab diesem Jahr ein solches Unternehmen überhaupt erst wieder infrage. Wir wollen uns dieses Mal etwas mehr Ruhe gönnen, und nur eine deutlich kleinere Wegstrecke planen als damals, nämlich insbesondere die Länder Senegal, Mali und Niger. In allen Ländern interessieren uns insbesondere die Landschaften: Berge, Gebirge und Wüsten, in Mali die Stadt Timbuktu und der Fluss Niger, im Niger insbesondere das Air-Gebirge und die Tenere-Wüste. Da die beiden letztgenannten als sehr schwierig zu bereisen gelten, planen wir hierfür von vornherein eine durch Einheimische geführte Tour.
Schon im Verlaufe der Planungsphase ergeben sich leider Bedenken, ob sich der Niger in dieser Saison gefahrlos bereisen lässt. Es gab dort Anschläge und militärische Auseinandersetzungen; das Auswärtige Amt warnt; einige Reiseveranstalter haben den Niger aus ihrem Angebot gestrichen, bei manchen Anbietern ist das Land zur Zeit noch enthalten. Wir werden die Situation weiter verfolgen.
Fortsetzung im Oktober 2008: Es ist keine Verbesserung der Sicherheitslage in der Republik Niger eingetreten. Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen der Staatsführung und den Tuareg-Rebellen dauern an. Neben den Warnungen des Auswärtigen Amtes hat die Aussage eines einheimischen Reiseveranstalters (Akly JOULIA und Céline BOILEAU) das sehr glaubhaft bestätigt. In den landschaftlich besonders lohnenden Teilen gibt keinen Tourismus mehr; große Teile des Air-Gebirges und auch Teile der Tenere-Wüste sind vermint. Auch in Mauretanien ist die Sicherheitslage seit dem Putsch im August 2008 nicht zufriedenstellend. Es kam Ende 2007 zu Todesfällen und Anfang 2008 zu Anschlägen. Ebenfalls der Norden von Mali ist von Kampfhandlungen betroffen. Wir hoffen aber, dass die Vorfälle, so schlimm sie auch sind, nur Einzelfälle sind, und dass das Risiko, selbst zum Opfer zu werden, gering ist. Mit einem gewissen Risiko muss jeder Mensch schließlich auch in seiner Heimat leben. Wir sind offen für eine vorzeitige Umkehr, wenn wir die Gefahr unterwegs höher einschätzen oder wenn sich weitere sicherheitsgefährdende Aspekte zeigen. Dann bereisen wir nur Marokko, wir verbrauchen nur den Urlaub für 2008 und behalten uns eine nächste Reise in einem Jahr vor.
Eine wesentliche Entscheidung der letzten Wochen war die Anreise-Route. Es wurden zwei Alternativen hinsichtlich der Kosten abgewogen: einerseits der Weg vom südfranzösischen Sète per Fähre nach Nador, andererseits der Landweg bis Gibraltar. Nach langem Suchen fand sich eine günstige Fährverbindung für wenig über 600 €. Auf dem Landweg über Spanien würden Kosten für zusätzliche 1400 km Fahrt (Kraftstoff und verhältnismäßig hohe Maut) sowie für das Übersetzen von Gibraltar nach Afrika anfallen, wobei die Kosten für das Übersetzen bei Gibraltar schwer voraussehbar sind; die Berichte gehen stark auseinander, von unter 100 bis über 200 €. Dazu würde das Problem bestehen, dass wir mangels Sprachkenntnissen vor Ort nicht unbedingt ein günstiges Angebot finden werden. Daher buchten wir die Fährverbindung ab Sète für den Abend des Freitags, den 14. November 2008. Die ursprünglich erwogene Reiserücktrittsversicherung haben wir nicht abgeschlossen, da sie die Kosten im Prinzip nur bei Krankeit ersetzt, nicht bei Unfall oder Panne während der Anreise. Das Risiko für eine Krankheit schätzen wir nicht so hoch ein, als dass sich die Versicherung (21 €) lohnen würde. Abreisetag soll also Donnerstag, der 13. November, sein. Wir werden versuchen, an diesem ersten Tag den Großteil der Strecke zurückzulegen, um das Risiko des Zusätkommens gering zu halten. Die Gesamtreisedauer haben wir bis zum Sonntag, dem 22. Februar 2009, kalkuliert, nämlich 14 Wochen plus einem vorausgearbeiteten Donnerstag und dem ohnehin wegen Arbeitszeitregelung freien Freitag. Diese 14 Wochen entsprechen dem Urlaubsanspruch von Thomas in Höhe von zwei Jahresurlauben plus Resturlaub von 2007 plus hineinfallende Feiertage plus einem nachzuarbeitenden Werktag.
Die Reisevorbereitungen sind im planmäßigem Stadium. Ute hat sehr viel im Internet recherchiert. Die Ausrüstung ist in großen Teilen gepackt. Das Fahrzeug wurde für nahezu 5.000 € gewartet und steht jetzt – wegen Saison-Kennzeichnung abgemeldet – auf dem Privatparkplatz von Silka und Christoph Dörr im Nachbarort Ebelsbach. Es soll am 7. November zugelassen werden. Die letzte Impfung soll morgen (24. Oktober 2008) erfolgen. Visa für die beiden einzigen visapflichtigen Länder Mauretanien und Mali wollen wir wegen der Restunsicherheit erst unterwegs besorgen. Den ursprünglichen Vorsatz, die Gasheizung während der knapp viermonatigen Abwesenheit außer Betrieb zu nehmen, sind wir im Begriff aufzugeben. Der Heizungstechniker schätzt den Aufwand des Absperrens (zwischen 100 und 200 €) höher oder ähnlich hoch wie den Gasverbrauch in Frostschutzstellung ein.
Letzte Bemerkungen, am Tag vor der Abreise: Die Vorbereitungen sind ruhig und planmäßig abgeschlossen. Das Auto ist zugelassen, der Gepäckträger ist montiert und komplett beladen. Die am Mann mitzuführende Gegenstände liegen bereit. Das Leitungswasser ist abgesperrt (die Heizung bleibt aber in Betrieb); der Briefkasten ist geschlossen und auf Briefeinwurf „umgeschaltet“; die notwendigen Abwesenheits-Informationen sind erfolgt. Die Ausgaben in der Vorbereitungsphase betrugen 8745 EUR (der Löwenanteil davon war die oben erwähnte Fahrzeugwartung). Als Bargeld werden 7620 EUR und 500 Dollar (aus früherem Bestand) mitgeführt. Morgen soll es so früh wie möglich losgehen, um bis zum Abend dem Fährhafen möglichst nahe zu kommen und damit am Folgetag das Risiko zu minimieren, wegen einer Panne die Fähre zu verpassen.
Am 12. Februar 2009 ist die Reise beendet. Wir führten unterwegs das folgende Reisetagebuch (rtf-Format). Im Nachhinein erstellten wir noch eine kurze Zusammenfassung (rtf-Format) der Reise. Zum besseren Verständnis des Tagebuches hier einige Begriffserklärungen (rtf-Format). Als Internetseiten sind diese Informationen per Menü aufrufbar. Weitere abschließende Informationen werden noch bereitgestellt.