Kilimandjaro-Besteigung

(Thomas + Ute + Cornelia Renner, Februar 2004)


Reisetagebuch


29.01.04 Do: Abreise

Um 13:15 Uhr beginnt die Abfahrt mit dem "Gelbi" nach Frankfurt. Wir brechen wegen vielen Schnees so zeitig auf. Wider Erwarten geht die Fahrt aber gut und zügig ohne jedwede Unterbrechung vonstatten. Wir finden einen geeigneten Parkplatz nur mit Mühe und mit Hilfe des Stadtplanes, am Straßenrand, etwa 100 m von der S-Bahn-Station Niederrad entfernt, also zwischen Hauptbahnhof und Flughafen. Um 15:45 Uhr parken wir dort. Wir unternehmen eine Erkundungstour per S-Bahn (2 Stationen - Flugticket gilt ganztags für alle Nahverkehrsmittel) zum Flughafen. Dann geht es zurück zum Auto. Es folgt ein tüchtiges Essen mit Lariam, schon der zweiten Tablette in wöchentlicher Folge. Um 17:30 Uhr hucken wir alles Gepäck auf, fahren erneut zum Flughafen und warten dort. Gegen 19 Uhr taucht Co auf. Es wird nochmals gegessen. Gegen 20:30 Uhr können wir "einchecken", das heißt, das Gepäck aufgeben. Zusammen haben wir 58 kg. Im Laufe der nächsten Stunde sollen wir uns durch Paßkontrolle und Personencheck zum Flugsteig begeben. Das Flugzeug ist eine Boing 767, die Fluggesellschaft Condor / Thomas Cook. Das Flugzeug faßt nach unserem Überschlag etwa 300 Passagiere. Der Flug verläuft zwischen 22:30 und 8:30 Uhr Ortszeit (zwei Stunden östlicher als MEZ, also 8 Stunden Flugdauer) ohne besondere Vorkommnisse. Das Essen ist manierlich, der Schlaf wegen der beiden Mahlzeiten knapp, der Platz zwar eng, aber erträglich. Am Monitor läßt sich der Flugverlauf graphisch und anhand einiger Daten verfolgen.


30.01.04 Fr: Ausgangslager

Ab beginnender Dämmerung sehen wir dank der Fensterplätze die afrikanische Steppenlandschaft ganz gut. Der Kilimandjaro ist allerdings auf der falschen, linken Flugseite! Wir steigen von Bord, das Gepäck ist da, Immigration und Zoll bereiten keine Schwierigkeiten; die Visa hatten wir schon in Berlin eingeholt. Allerdings ist die Form der Gepäckaufnahme katastrophal: Jeder Reisende sucht sein Gepäckstück auf einem Transportband ohne jedwede Sicherung gegen Diebstahl - dasselbe erleben wir zwei Wochen später in Frankfurt.

Es gibt keinen Geldautomaten. Daher tauschen wir 100$ am Geldwechsel-Schalter. Ein Transfer nach Marangu wird uns erst für 100$, dann ermäßigt für 80$ angeboten. Wie wir vom Marangu-Hotel früher per eMail erfahren hatten, ist das zwar der Normalpreis, wir können uns aber von dort für 50$ abholen lassen. Wir gehen dann aber auf das Angebot des Taxi-Vermittlers von 70$ ein. Eingeschlossen in die Preisverhandlung ist ein Zwischenhalt in Moshi, um dort Geld per Kreditkarte abzuheben. Das klappt zwar, aber nur per manueller Bedienung bei einem schlechten Kurs (1$ = 1000 TSh). Während der Fahrt sind Kilimandjaro und Mt. Meru gut sichtbar.

Das Hotelpersonal empfängt uns sehr freundlich und weist uns einen Zeltplatz zu. Der Inhaber sei gerade nicht anwesend. Wir packen für die bevorstrehende Bergtour um, wir nehmen Erfrischungsgetränke und bummeln ein gutes Stück weit durch das unendlich langgezogene Straßendorf, in dem allerdings wenig "los" ist. Es herrscht schwüles, gewittriges Wetter.

Unser Telefon funktioniert rufmäßig genausowenig wie im Vorjahr. Gespräche empfangen können wir jedoch; es ist ein Anruf von Johannes registriert, Elfriede erreicht uns telefonisch.

Abends um 18 Uhr veranstaltet Herr Benett eine Informationsrunde mit den nächsttägig aufbrechenden Bergsteigern. Das sind außer uns ein italienisch/bulgarisches Paar auf unserer Route in sechs Tagen und ein australisches Paar auf der Marangu-Route. Herr Benett spricht sehr gut, langsam und deutlich, so daß wir zumindest etliches mittelgut verstehen.

Das Abendessen ist luxuriös. Es gibt etliche Garnituren von Geschirr und Besteck, alles vorgeheizt und am Tisch nochmal abgewischt, viel Personal mit vielen Schüsseln und Handreichungen. Mit rund 35 000 TSh ist es auch entsprechend teuer, wenn man mit anderen Gaststätten vergleicht.


31.01.04 Sa: erste Etappe

Wir stehen bald auf, um je Person drei Gepäckstücke zusammenzustellen: das Handgepäck (Th vielleicht 6 kg, die anderen etwas weniger), den von den Trägern zu transportierenden Packsack (Th 6 kg, die anderen 9 bis 10 kg) und das im Hotel während unserer Abwesenheit aufzubewahrende Gepäck. Nach dem Frühstück stellt uns Herr Benett unseren Guide Simon, die Assistenten Joachim und Dismas und die sieben Träger vor. Gegen 10 Uhr brechen wir zusammen mit dem 6-Tage-Paar und den Begleitmannschaften in einem gemeinsamen Truck auf. Unterwegs ereignen sich Pannen. Mehrere Leute legen sich unter das Fahrzeug und hantieren irgendwas mit Drähten. Später erreichen wir eine sogenannte "Werkstatt", also einen Gerümpelplatz. Jemand hält Kabelpaare mit geknickten blanken Adern so geschickt zusammen, daß ein Kasten, der scheinbar ein Trafo ist, mit Strom versorgt wird. Und mit diesem Strom schweißt jemand unter dem Auto.

Es geht weitgehend eine Piste entlang, an der eine ganze Reihe typisch afrikanischer Dörfer gelegen ist; sie sind in europäische Augen - wie wir die Dörfer schon aus dem Vorjahr kennen - in erbärmlichem Zustand. Die Strecke ist ziemlich befahren. Wegen der Pannen wird aus den geplanten drei Stunden die doppelte Zeit. Inbegriffen ist eine Lunchpause mit Tee in einem Gasthaus.

Am Gate in Höhe von 1800 m geht es um 14:30 Uhr los. Wir laufen sehr langsam, getreu dem Rat von Herrn Benett nur durch die Nase atmend. Joachim formuliert das so: "Gema langsam". Auf einem gemütlichen Weg geht es erst einmal in ziemlicher Hitze große Strecken an gerodeten Hängen entlang, teilweise begleitet von gelegentlich bettelnden Kindern. Später, im Regenwald, wird der Weg angenehmer und schöner. Wir sehen etliche Colobus-Affen. In insgesamt drei Stunden erreichen wir den Camp-Platz, der schön zwischen hohen latschenartigen Gewächsen gelegen ist. Den Kibo-Gipfel sah man während der Fahrt häufig, jetzt nicht mehr. Offensichtlich ist das Info-Blatt zu unserer Route veraltet, denn wir können unmöglich 1200 Höhenmeter gestiegen sein.

Das Lager wird komfortabel gestaltet. Wir erhalten nicht nur Hocker und einen Tisch, sondern sogar eigens ein Eßzelt. Natürlich gibt es eine Tischdecke, mehrere Garnituren Geschirr und Besteck und Servietten. Das Essen ist heute wie ebenso an allen Folgetagen reichhaltig und abwechslungsreich, und beinhaltet sogar bis zum letzten Tag schwergewichtige Früchte wie Ananas, Melonen und Apfelsinen. Das Dinner umfaßt als Hauptmahlzeit immer mehrere Gänge. Auch beim Frühstück gibt es neben Toast mit Butter/Nußmus und Marmelade/Honig noch Tomate und Gurke, Haferbrei, Ei oder Omelett und Wurst/Schinken, nachmittags stehen Popkorn und frisch geröstete Erdnüssen auf dem Speiseplan.


01.02.04 So: zweite Etappe

Nach manierlichem Schlaf und gutem Frühstück brechen wir um 8 Uhr auf und erreichen das Ziellager um 16:30 Uhr. Es ist sonnig. Kibo und Mawenzi sind anfang gut sichtbar. Es geht erst viel bergauf, dann an Hängen hin viel auf und ab. Vielfach haben wir Sicht ins Tal auf die afrikanische Steppe. Es ist teils sonnig, teils bewölkt. Am Lagerplatz ist es mit knapp 15°C schon merklich kühler als ehemals unten. Der Bewuchs ist nur noch spärlich. Nahe dem Lager gibt es eine Höhle; ein Bächlein fließt dicht vorbei.

Im Gegensatz zur Vornacht schlafen wir weniger gut, Th nur maximal 2 bis 3 Stunden. Ute klagt anfangs über starke Kopfschmerzen und Übelkeit.


02.02.04 Mo: zu Mawenzi-Tarn

In der Nacht setzt andauernder, teils heftiger Regen ein, der den Tag über zwar abschwächend und mit Unterbrechungen bis zum Nachmittag anhält. Auch im Zelt wird es ein wenig naß. Die Morgentemperatur liegt um 6°C. Das Frühstück gibt es später als am Vortag, weil nur eine kurze Etappe vor uns liegt. Th gibt ein wenig mehr vom Tagesrucksack an den Träger ab.

Es geht erst zwei Stunden bergauf, dann eine weitere Stunde so dahin, ohne Pause. Der Weg ist steinig und geröllig, stellenweise mit Schneematsch bedeckt. Kurze Kraxelstellen kommen vor, die sich wegen der Regenmäntel unbequem gehen. Obwohl wir weiterhin sehr langsam gehen, brauchen wir nicht ganz die angegebene Zeit.

Der See Mawenzi-Tarn liegt in 4200 m Höhe sehr hübsch am Fuß des gleichnamigen Berges. Es gibt zwei feste Behausungen, die von den beiden 6-Tages-Touristen und von einigen Trägern als Unterkunft, von uns als Speiseraum beziehungsweise von der Begleitmannschaft als Küche verwendet werden.

Zunächst frieren wir ein wenig. Dann trocknen die Kleidungsstücke und wir bummeln herum, mehrfach um den kleinen See und auf anliegende Erhebungen. Nachmittags klart es auf, wodurch gelegentlich Blicke auf das Mawenzi-Massiv freigegeben werden.

Abends gegen 8 Uhr erhalten wir einen Anruf aus Waltersdorf.

Ute ist es übel, sie hat Kopfschmerzen und muß sich nach dem Dinner und nachts mehrfach übergeben. Trotzdem schläft sie ganz gut. Th hingegen hat keine Beschwerden, kann aber die zweite Nacht in Folge nur sehr wenig schlafen.



03.02.04 Di: Akklimatisierung

Nachts gibt es nur teilweise schwachen Regen. Am Morgen ist es sonnig, aber kühl. Später zieht es wieder zu. Nach dem Frühstück und gemütlichem Packen brechen wir auf zu einer mehrstündigen Akklimatisierungstour auf einen Seitengrat des Mawenzi. Hierzu steigen wir erst mäßig bis zum Grat auf, dann folgt eine sehr hübsche Gratkletterei. Leider ist es zu neblig und nichts zu sehen. Nach dem Teilabstieg auf dem Rückweg gehen wir nochmal eine Weile hinauf, bis es uns reicht, dann wieder "heim".

Die uns bisher begleitenden 6-Tages-Touristen sind folgerichtig morgens zur Kibo-Hut weitergegangen. Dafür sind am Lagerplatz inzwischen neue Gruppen angekommen. Wir erhalten den Lunch in der Hütte, dann schlafen wir etwas. Elfriede ruft uns an, leider ist die Batterie gerade leer, daher sind nur wenige Sätze möglich.

Das Wetter klart wieder auf, wodurch sich schöne Blicke auf den Mawenzi, auf den Klettergrat und stückchenweise auf den Kibo ergeben.

Bald nach dem Mittagsschlaf gibt es Dinner und wir beginnen die Nachtruhe sehr zeitig.

Unser Gesundheitszustand ist im Prinzip ganz gut, wenngleich nicht perfekt: Th hat zwei Nächte schlecht geschlafen. Ute kann wegen Überkeit nicht viel essen und leidet nachts an Kopfschmerzen. Möglicherweise liegt das an ungenügend tiefer Schlaf-Atmung, denn beim Laufen wird es jeweils besser. Co hat große Blasen an beiden Fersen und erhält riesige Pflaster. Th und Ute haben leichten Durchfall.


04.02.04 Mi: zu Kibo-Hut

Wir schlafen alle ganz gut. Draußen geht es etwas stürmisch zu, Regen und Schneeschauer inbegriffen. Am Morgen ist es leicht gefroren und es liegt etwas Schnee auf den Zelten. Der Blick zum Mawenzi ist frei. Nach dem Frühstück brechen wir um 8:00 Uhr auf. Nach einem Teilaufstieg an einer Senke erblicken wir den Kibo in voller Schönheit. Es folgt ein weiterer größerer Anstieg, der Ute ziemlich anstrengt (erschwert durch Durchfallgefühl). Dann geht es bis zur Hütte hin bequemer und sanft aufsteigend. Unterwegs legen wir eine kurze Lunchpause ein. Die Berge haben sich zwar wieder zugezogen, aber das Tagesziel, die Kibo-Hütte, ist ständig sichtbar und kommt zwar langsam, aber Schritt für Schritt näher. Am Ende rasen Ute und Co, so daß Th zurückbleibt.

Wir erreichen Kibu-Hut um 13 Uhr, also trotz langsamen Gehens wiederum unter der Vorgabezeit. Damit verbleiben noch 11 Stunden zur Anpassung und Ruhe vor dem Gipfeltag.

Es herrscht ziemliches Gewimmel. Es ist teils sonnig und blendet. Der Kibo ist zu sehen. Telefon-Empfang haben wir an dieser Stelle (fast) nicht.

Nach dem Verzehren der Lunch-Reste ruhen wir sogleich aus. Um 16 Uhr gibt es Dinner, dann gehen wir zu Bett. Th hat leichten Schwindel/Kopfschmerzen, was sich aber im Laufe der kurzen Nachruhe gibt; er kann aber kaum schlafen. Ute hat starke Bauchschmerzen.


05.02.04 Do: Gipfeltag

Wir werden vor Mitternach geweckt. Nach WC-Benutzung, Ankleiden, Tee und Gebäck geht es um Mitternacht los. Wie erwartet brechen viele Gruppen zeitnah auf. Dementsprechend kommt es zu vielen Überholungen / Parallel-Läufen. Th wird kurzzeitig (für Sekunden) bewußtlos und fällt nieder, nicht etwa wegen organischer Beschwerden, sondern nur aus Angst davor, die Höhenkrankheit zu bekommen. Nach einigen Minuten Pause geht es wieder hervorragend weiter. Th wird von Simon eine größere Strecke lang ziemlich zügig vorausgeführt, außerhalb der Sicht- und Hörweite der anderen, so daß Ute und Co ihre Regenmäntel bei einsetzendem Schauer nicht gleich zur Hand haben. Erst nach mehrfachem Bitten wartet Simon an einer markanten Stelle, so daß wir uns gegen 1:30 Uhr treffen und dann gemeinsam weitergehen.

Schneeflecken und -flächen nehmen zu, was Ute und Co beim Vorankommen behindert und ermüdet. Ute leidet darüberhinaus weiterhin an Durchfall. Andere gesundheitliche Beschwerden treten nicht auf. Pausen werden von vorangehender Co immer öfter gemacht. Die hereinbrechende Dämmerung erleichtert das Gehen zwar, aber nur mit Aufbietung aller Kräfte schafft es Co bis 7:00 Uhr zum Gillman's-Point (anstelle von Zeitvorgaben zwischen 5 und 6 Stunden). Der Schneegriesel wird immer stürmischer. Utes Regenmantel ist sehr bald zerfetzt. Am Gillman's-Point herrscht zum Schneegriesel noch eisige Kälte. Der Schnee peitsch wie Eisnadeln ins Gesicht.

Es werden einige Fotos gemacht und es wird geplant. Th will noch zum Uhuru-Peak. Laut nicht ganz klar verständlicher Angabe seitens Simon bedeutet das je eine Stunde hin und zurück (oder auch zwei Stunden hin und eine zurück?). Ute und Co wollen nach anfänglichem Zögern auch mitgehen, aber nach etlichen Schritten im knietiefen Schnee geben sie auf - zu Recht, wie sich später zeigt, denn sie hätten sicher die 10-fache Zeit gebraucht. Also steigen sie zwischen 7:30 und 10:00 Uhr zusammen mit Joachim und Dismas wieder ab. Auch das war anstrengend und beschwerlich, auch wegen häufigen Hinfallens. Man ist viel gerutscht, Co häufig auf dem Hosenboden.

Th wird von Simon in rasendem Tempo geführt. Neben den 200 m absolutem Höhenunterschied gibt es etliche zusätzliche Auf- und Abstiege am Kraterrand. Zum Teil liegt tiefer Schnee. Weiterhin herrscht schlimmer, eisiger Wind mit Schnee- und Eisgraupeln. Der Weg ist wirklich anstrengend, wird aber geschafft von 7:30 bis 8:45 Uhr hin und bis 9:45 Uhr zurück. Es ist nur kurzzeitig mal ein wenig von der Kraterumgebung zu sehen; wenige andere Menschen laufen herum. Von der Spitze nimmt Th einen Stein als Andenken mit herunter. - Vom Gillman's-Point geht es weiterhin schnell abwärts, ebenfalls teils auf dem Hosenboden auf Schneeflächen rutschend, etwas tiefer dann in lockerem Erdreich rutschend. Es scheint zuweilen so, als wolle der Weg kein Ende nehmen. Trotzdem kommt man dann irgendwann mal an.

Ute und Co haben inzwischen tief geschlafen. Es gibt jetzt einen reichhaltigen Lunch. Dann brechen wir bei jetzt gutem Wetter zum Abstieg zur Horombo-Hut auf. Es geht sanft und gleichmäßig über den riesigen und gleichförmigen Sattel und dann am Hang entlang abwärts. Unterwegs schalten wir das Telefon ein, was auf dem Gipfel des Wetters wegen kaum möglich gewesen wäre. Zwei Anrufe von 10 und von 11 Uhr waren eingegangen.

Wir beziehen das letzte Lager. Es gibt wie immer ein gutes Dinner, diesmal mit Lariam, dann Schlaf.


06.02.04 Fr: Abstieg

Recht bald, nämlich um 6 Uhr, stehen wir auf und schon um 7:30 Uhr brechen wir auf. Ob die Träger nach der langen Abwesenheit früh zu Hause sein wollen? Das Wetter ist schön, Kibo und Mawenzi sind sonnenbeschienen zu sehen. Es geht gleichmäßig am Hang hin abwärts, oft mit Blick auf die unendliche Weite im Tiefland. Zuweilen gibt es Brückchen über Bachläufe. Der Weg ist stark begangen. Wir sind nicht sonderlich angestrengt und haben nur minimale Beschwerden an den Beinen. Die Vegetation nimmt langsam zu. Später gelangen wir in eine sehr schöne Heide-Landschaft. Es gibt unter anderem Senecien, es ist hügelig.

Wir gehen zügig schätzungsweise zwei Stunden bis zur Mandara-Hut. Hier wird eine längere Pause erzwungen, da wir auf den Lunch warten, der von unten gebracht wird. Dann geht es weiter gut zwei Stunden herunter zum Marangu-Gate auf 1970 m Höhe. Diese letzte Strecke führt durch sehr beeindruckenden Regenwald. Der Weg ist gepflegt und weiterhin ganz sanft absteigend. Gegen Ende ziehen Gewitter und Regen auf. Wir erreichen das Tor gegen 13:30 Uhr gerade noch ohne völlig durchnäßt zu werden. Die Urkunden, Diplom genannt, werden ausgefertigt, für die Gillman's-Point-Besteigung mit grünem Rand, für den Uhuru-Peak mit goldenem Rand. Per Auto geht es noch schätzungsweise 10 km bis zum Hotel.

Wir bereiten die Vergabe der Trinkgelder vor. Trotz Dauerregens bauen wir die Zelte schon auf. Für 15 Uhr ist die Abschlußfeier mit Guides und Trägern angesetzt. Wir bezahlen Essen und Getränke nach eigener Wahl und teilen Trinkgelder aus: 40$ pro Porter, 70$ pro Assistent und 80$ für den Guide. Das ist etwa doppelt so viel, wie Herr Benett als die sogenannte "Norm" bezifferte. Betrachtungen haben wir dazu schon im vergangenen Jahr angestellt. Alle sind sehr "happy" und dankbar, Simon übergibt uns die Urkunden, das Kili-Lied und andere Lieder werden gesungen, Fotos werden gemacht. Simon erhält als Geschenk noch Th's Trainingsanzug.

Der Abend endet mit Duschen, Auspacken, Geldtausch an der Rezeption und Essen.


07.02.04 Sa: Honey Badger

Ute hat nachts sehr starken Durchfall. Sie sitzt daher stundenlang auf dem WC und nimmt Imodium ein. Nur Th und Co frühstücken. Krankheitshalber wird recht langsam gepackt, bis gegen 11 Uhr. "Unsere" und andere Träger kommen zur benachbarten Wiese und trocknen und reinigen Zelte. Simon begrüßt uns, singt auf unseren Wunsch nochmals das Kili-Lied und erhält noch eine Armbanduhr.

Co schreibt Karten, Ute kauft Karten. Das Fahrzeug nach Moshi wird für 30$ bestellt; die Ziel-Lodge Honey Badger ist dem Personal der Rezeption und dem Fahrer Abdulah allerdings unbekannt. Die Camping-Übernachtung im Hotelkomplex ist für uns - wie auch schon die erstmalige - kostenfrei.

Wir finden nach der halbstündigen Fahrt einen sehr gepflegten Platz vor. Der Bedienstete David heißt uns sehr herzlich willkommen. Nach dem Zeltbau zeigt er uns die neben dem Komplex gelegene Tiersammlung, beinhaltend zum Beispiel Schlangen, Schildkröten und Affen. An den Mauern sehen wir gecko-artige, aber bunte Salamander. Das Hauptgebäude ist am Ankunftstag gerade in Restaurierung; wir sehen es am Folgetag.

Wir ruhen, schlafen, trinken. Es ist mit ca. 35°C ziemlich heiß, also gut, nichts zu tun. Am Nachmittag nehmen wir eine Huhn-Mahlzeit ein, am Abend noch ein Dinner. Abends wird ein Feuer für uns entzündet. Das Personal ist sehr um uns bemüht und lädt uns für eine weitere Übernachtung ein, was wir aber ablehnen müssen. Man kann hier nichts weiter tun, als untätig zu sein. Dafür reicht uns ein Tag.



08.02.04 So: nach Arusha

Nachts, beim Besuch des WC, lernen wir die Hunde kennen, die uns scheinbar gut bewachen. Morgens dürfen wir in einem der "rooms" duschen (obwohl wir ja nur eine Camping-Unterkunft innehaben). Wir lernen Lucie kennen, von der uns schon Jacobis erzählten. Wir frühstücken gut - auf Kosten des Hauses, wie uns Lucie anbietet. Lucie zeigt uns das "Visitor-Book", in dem wir etliche Bekannte finden:

Merkwürdigerweise enden die Einträge mit Oktober 2003; wir haben uns mit gestrigem Datum also nach 4-monatigem Sprung wieder als erste eingetragen.

Wir schenken David einen Taschenrechner, für seine Kinder zwei Wasserbälle und wir geben ein gutes Trinkgeld.

Es ist warm, heiter bis wolkig, der Kilimandjaro ist zeitweilig zu sehen.

Die Rechnung ist niedrig; die einzige größere Position ist Fahrt nach Arusha in Höhe von 50 000 TSh. Wir bezahlen mit reichlichem Trinkgeld (kombiniert aus TSh und Dollar, weil erstere nicht mehr reichen). - Bald lernen wir auch Lucie's Ehemann Peter kennen, der uns mit deutschen Worten begrüßt. Er war schon einmal in Stuttgart. Es werden viele Freundlichkeiten gesagt. Wir sollen die Lodge / Campsite in Deutschland unbedingt empfehlen und Grüße an alle Bekannte ausrichten.


Während der Fahrt nach Arusha legen wir einen kurzen Zwischenstopp in River-Trees ein, um Frau Gehrken-Trappe zu besuchen. Sie ist aber krankheitshalber nicht zu sprechen. Wir reden ein paar englische Worte mit ihrer Vertreterin und übergeben eine Visitenkarte mit vielen Grüßen. Eine Cola rundet den Aufenthalt ab.


Das Masai-Campsite in Arusha ist gegenüber dem Vorjahr etwas verändert. Es fallen die durchsichtigen Außenwandverkleidungen in Form fester Folien auf. Wir wissen nicht recht, wozu sie nötig sind. Es gibt abgetrennte Bereiche für den Fernseher und für ein neu hinzugekommenes Internet-Cafe. Es gehen etliche Weiße herum, von denen man vermuten kann, daß sie Besitzer sind. Der Barkeeper erkennt uns nach Hilfestellung wieder. Er heißt Ben, wie wir später erfahren. Es sind viele Menschen beider Hautfarben da, es wird allerorten gegessen, getrunken, gespielt. Offenbar ist ein "überregionales" Fest im Gange, das die ganze Stadt einbezieht. Ankündigungen für das nächste Fest, eine "Love Night", für kommenden Sonnabend finden sich ebenfalls stadtweit.

Gegen Ende des Aufenthaltes sehen wir zwei deutsche Fahrzeuge mit Kennzeichen BI und HD. Ein Insasse gibt Auskunft über ihre 15-monatige Reise, ähnlich unserer damaligen Route, aber auch über Uganda und Burundi; jetzt sind sie auf unbestimmte Zeit ansässig; er verdient sein Geld als Lodge-Manager.

Wir unternehmen einen Stadtbummel, vor allem zum Zwecke der Geldbeschaffung am Automaten. Bei dieser Gelegenheit wird gleich der Bahnhof besichtigt. Das ist eine Gleisanlage, die den Namen kaum verdient. Vermutlich fährt nur alle paar Tage mal ein Zug. Nicht allzuweit vom Kreisverkehr am Impala-Hotel finden wir die ausgeschilderte Outpost-Lodge, in der wir Erfrischungen und einen Imbiß einnehmen. Wir kaufen und verzehren später Ananas und Bananen. Zufällig sehen wir in der Stadt "unseren" Autofahrer wieder, der uns vorhin nach Arusha brachte; die Einladung zur Fahrt zum Campingplatz lehnen wir dankend ab (wir müßten ihm sonst der Höflichkeit wegen erneut ein Trinkgeld geben).

Wir besuchen das Internet-Cafe. Interessant ist die Nachricht unseres Englisch-Kurs-Freundes Hans Reitz, dem wir sogleich antworten. Ute schreibt an ihre Dienst-Kollegen. Der Tag klingt wie gewohnt mit Abendessen und Bier aus.


09.02.04 Mo: Buchung Safari

Nach dem Frühstück begeben wir uns zum Office im Campingplatzgelände mit Namen "Wilderness Trails" oder auch "Tropical Trails". Eines von beiden ist sicher eine übergeordnete Organisation, möglicherweise auch die Trägerorganisation des Campingplatzes. Laut späterer Auskunft unseres Fahrers ist sie mit etwa 15 Fahrzeugen mittelgroß. Der Inhaber scheint der Weiße zu sein; er verweist uns an den Organisator Alian, bei dem wir nach Beratung eine Safari für zwei Tage in die Nationalparks Tarangire und Lake Manyara buchen, pro Person zu 185$, zusammen also 555$, worin alles, auch die Verpflegung, eingeschlossen ist.

Jetzt haben wir Zeit für einen weiteren Stadtbummel. Erstmals fahren wir mit einem Matato - wie üblich schlimm zusammengequetscht. Wir kaufen eine CD mit dem Kilimandjaro-Song. Wie sich später herausstellt, ist es leider nicht dasjenige Lied, welches unsere Begleitmannschaft für uns gesungen hatte. Eine Tasse mit passendem Motiv findet sich nicht, stattdessen erhalten wir etliche T-Shirts. Während des Heimweges geht ein Regenschauer nieder, der zum Unterstellen zwingt. Auf dem Campingplatz nehmen wir einen Spät-Mittags-Imbiß ein. Dann dösen wir eine Weile, Th kauft noch Bananen, und wir essen zu Abend.

Der nächtliche Schlaf verläuft mit Störungen, weil der südafrikanische Backpacker-Zeltnachbar uns wegen Schnarchens mehrfach weckt. (Für die kommenden Nacht zieht er sich an eine fernere Stelle zurück.)


10.02.04 Di: Tarangire-Park

Nach Aufstehen, Duschen und Frühstück empfängt uns Alian mit unseren zukünftigen Begleitern schon vorzeitig. Es sind der Fahrer John-Balette, kurz "JB" zu nennen, und der Koch Sever. Die Hinfahrt zum ersten Park beinhaltet eine kurze Unterbrechung zum Shoppen im touristischen Andenken-Laden, wo Co endlich eine Tasse zum stolzen Preis von 8$ ersteht. Im Park fahren wir - ohne Koch - von 11 bis 17 Uhr herum und sehen alle zu erwartenden Tiere, außer Löwen, Leoparden und Geparden. Der Park ist für die Eintagestour sehr ausgedehnt und verfügt über eine eindrucksvolle Landschaftsstruktur. Es ist zum Teil bewölkt, mit etwa 36°C auch heiß. Ute wird mehrfach von Tsetse-Fliegen gestochen.

Jetzt wird an der Abzweigung Dodoma/Ngorongoro der abgesetzte Koch wieder aufgenommen und zum Campingplatz nahe dem Lake Manyara bei dem Ort Mto wa Mbu ("Stadt am Mückenfluß") gefahren. Die Straße ist inzwischen in hervorragendem Zustand weiter ausgebaut worden, wie JB sagt, schon bis kurz vor den Park Ngorongoro, etwa bis Karatu. Der Campingplatz namens "Twiga Campsite und Lodge" ist in gepflegtem Zustand. Das Abend-Menü wird von Sever bereitet und vorgesetzt. Elfriede ruft uns an. Wir schlafen in sehr geräumigen Zelten mit besonders weichen Matten.


11.02.04 Mi: Lake-Manyara-Park

Nach dem Frühstück erhält Sever sein Trinkgeld; er hat von jetzt ab andere Aufgaben und trennt sich von uns. Wenige Kilimoter entfernt befindet sich der Parkeingang. Der Park ist zwar deutlich kleiner als der gestrige, wir sehen aber mindestens genausoviele Tiere, oft aus sehr geringer Entfernung, besonders Affen und Elefanten. Zusätzlich zum Vortag finden sich Zebras, Gnus, Büffel, Flußpferde, viele Vögel und zuletzt sogar Löwen. Zwei ganz junge Löwen sitzen nämlich wenige Meter von uns entfernt in einer Baumgabel unter ihrer höher im Baum wachenden Mutter. Eine weitere Löwin im nebliegenden Gebüsch ist schwer zu sehen. Die Tiere machen keine Anstalten, ihren Platz zu verlassen. Nach längerer Zeit brechen wir die Beobachtung ab und verlassen den Park um 16 Uhr. Auf dem Heimweg geht es zu einem anderen Andenken-Laden. JB hält auf unseren Wunsch bei der Standard-Charter-Bank, aber deren Geldautomat ist außer Betrieb. Stattdessen fährt er uns dann zur Barclay-Bank, auf halbem Weg zu der vorgestern besuchten Outpost-Lodge.

Der Zeltplatz ist deutlich leerer als in den letzten Tagen. Wir bezahlen endlich das Quartier in Höhe von 3*5*3000 = 45000 TSh. Wie immer folgen Abendessen und Bier.


12.02.04 Do: Bummeln

Das ist nun der letzte Aufenthaltstag, ohne besonderes Programm. Wir schlafen lange. Alian sucht uns auf, um den nächsttägigen Flughafen-Transfer zu besprechen. Am Abend gibt es hierzu nochmal eine geringfügige Änderung: Francis statt JB; der Preis beträgt 50$. Es folgt ein letzter Stadtbummel mit Besuch des "Shoprite" und Essen in der Gaststätte "Bamboo". Unterwegs erhalten wir endlich den ersehnten Anruf von T-Mobile und die Lösung, warum wir mit unserem Handy nicht telefonieren konnten: Man muß "00049" vorwählen, also eine Null mehr. Zu dieser Erkenntnis hat T-Mobile also 1+1/2 Jahre benötigt, etliche Anrufe unsererseits und viele eMail-Anfragen mit genauer Symptom-Beschreibung.

Am Campingplatz wird wieder geruht. Th verschenkt Kulis an Schulkinder, die sich sehr freuen. Ein kleineres Kind erhält die "Raupen-Uhr". Überzähliges WC-Papier und Tempo-Taschentücher erhält Ben. Das Abendessen wird durch Lariam bereichert.



13.02.04 Fr: Rückflug

Schon um 5:30 Uhr stehen wir auf und packen noch in Dunkelheit bis zur beginnenden Dämmerung endgültig. Eine Stunde später steht das Fahrzeug pünktlich am Treffpunkt vor dem Office. In knapp einer weiteren Stunde geht es zum Flughafen. Wir können schon das Gepäck checken lassen. Wir essen uns an gestern vorsorglich gekauften Bananen einigermaßen satt. Eine Weile später wird das Gepäck aufgegeben, es folgen die Personenkontrolle und Aufenthalt im Transitraum. Co kauft einen Beutel tansanischen Kaffee, wir sehen das ankommende Flugzeug. Für den Flug ab 9:30 Uhr bis Mombasa benutzen wir beliebige, freigewordene Plätze; für den Weiterflug hingegen wurden uns nur Mittelplätze zugewiesen. Vom Fenster aus ist der Kilimandjaro nochmals schön zu sehen. Es sind nur etwa 30 Minuten bis Mombasa. Dort müssen wir das Flugzeug verlassen und im Transitraum eine Weile warten. Dabei erstehen wir einige weitere Souvenirs: sieben mit Tieren bemalte Plastik-Schalen zu je 5$, eine Tasse zu 5$ und ein schönes Kartenspiel mit Tierabbildungen zu 10$. Da wir hungrig sind, opfern wir weitere 9$ für drei (allerdings große) Brötchen!

Nach zwei Stunden beginnt um 12 Uhr der Weiterflug. Bei zwei Stunden Zeitverschiebung landen wir um 18:35 Uhr in Frankfurt. - Die beiden Mahlzeiten an Bord sind nicht gerade üppig; dazwischen knurren die Mägen. Wir lesen in deutschsprachigen Zeitungen und spielen mit dem neu gekauften Spiel im Wechsel Preference und Skat. Immerhin sehen wir im Gang stehend unter anderem eine Weile lang die Wüste unter uns mit dem Assuan-See. Die Flugroute verläuft etwas östlicher als der Hinflug, nicht über Italien - Lybien, sondern über Ägypten - Griechenland.

Die Paßkontrolle dauert wegen einer Schlange recht lange. Die Gepäckausgabe - als Selbstbedienung von einem Band - ist wiederum eine Unverschämtheit; schon aus unserer Kindkeit vor 50 Jahren bei der Eisenbahn wissen wir, wie es besser geht.

Ziemlich bepackt geht es per S-Bahn zum geparkten Auto. Nach weiterem Packen fahren wir um 20 Uhr los und erreichen Eltmann um 22:20 Uhr. - Cornelia fährt zwischen etwa Mitternacht und 8 Uhr des Folgetages mit der Eisenbahn nach Kiel.